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Zwei Eiben\u00e4ste wurden in Form eines Kreuzes zusammengebunden, an den Enden in offene Flammen gehalten und anschlie\u00dfend im frischen Blut einer geopferten Ziege gel\u00f6scht. Zwei auserw\u00e4hlte L\u00e4ufer packten das rauchende Holzzeichen und sprinteten tagelang durch Moore, Nebelt\u00e4ler und Felsspalten, wobei sie den Namen des Clans und den geheimen Sammelplatz in die T\u00e4ler br\u00fcllten. Jeder wehrf\u00e4hige Mann zwischen sechzehn und sechzig Jahren, der das blutige Kreuz erblickte, musste augenblicklich Pflug oder Angel fallenlassen, seinen Breitschwert-Gurt umschnallen und losmarschieren. Wer den unmissverst\u00e4ndlichen Marschbefehl ignorierte oder zu sp\u00e4t am Treffpunkt eintraf, galt als vogelfreier Verr\u00e4ter; die Strafe bestand nach uraltem Clan-Brauch darin, dass die eigene H\u00fctte vor den Augen der Sippe bis auf die Grundmauern niedergebrannt wurde.<\/p>\n<h3 data-path-to-node=\"2\"><\/h3>\n<\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><div class=\"w-tabs-section\" id=\"b94b\"><button type=\"button\" class=\"w-tabs-section-header\" aria-controls=\"content-b94b\" aria-expanded=\"false\"><div class=\"w-tabs-section-title\">Die Rinderraub-Matura der Clankrieger<\/div><div class=\"w-tabs-section-control\"><\/div><\/button><div  class=\"w-tabs-section-content\" id=\"content-b94b\"><div class=\"w-tabs-section-content-h i-cf\"><div class=\"wpb_text_column\"><div class=\"wpb_wrapper\"><p data-path-to-node=\"3\">Im rauen Hochland galt ein Mann erst dann als vollwertiger Krieger und heiratsf\u00e4higer Edler, wenn er sein K\u00f6nnen beim traditionellen <i data-path-to-node=\"3\" data-index-in-node=\"133\">Cattle Raiding<\/i> unter Beweis gestellt hatte. Der Diebstahl von Hochlandrindern galt keineswegs als schmutziges Verbrechen, sondern als hochangesehene ritterliche Sportart und ultimativer Mutbeweis f\u00fcr junge Adlige. Der Sohn des Chiefs zog mit einer Handvoll Getreuer im Schutze mondloser N\u00e4chte durch das Territorium eines verfeindeten Nachbarclans, schlich sich an den Wachen vorbei und trieb dutzende zottelige Rinder \u00fcber t\u00fcckische Gebirgsp\u00e4sse heim ins eigene Glen. Wurde man dabei auf frischer Tat ertappt, entbrannte eine blutige Verfolgungsjagd, bei der Hieb- und Stichwunden als ehrenvolle Troph\u00e4en galten. Gelang der Beutezug hingegen unbemerkt, spendierte der junge Anf\u00fchrer der gesamten Dorfgemeinschaft ein gigantisches Grillfest \u2013 und bewies seinem Vater, dass er das Zeug zum neuen Clan-Oberhaupt im Sattel besa\u00df.<\/p>\n<h3 data-path-to-node=\"4\"><\/h3>\n<\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><div class=\"w-tabs-section\" id=\"e9fd\"><button type=\"button\" class=\"w-tabs-section-header\" aria-controls=\"content-e9fd\" aria-expanded=\"false\"><div class=\"w-tabs-section-title\">Die drei Adlerfedern am Barett<\/div><div class=\"w-tabs-section-control\"><\/div><\/button><div  class=\"w-tabs-section-content\" id=\"content-e9fd\"><div class=\"w-tabs-section-content-h i-cf\"><div class=\"wpb_text_column\"><div class=\"wpb_wrapper\"><p data-path-to-node=\"5\">Anhand der Kopfbedeckung erkannte man in den Highlands schon aus weiter Ferne, mit wem man es zu tun hatte, denn die Federn am traditionellen Balmoral-Barett unterlagen einem eisernen Ehrenkodex. Ein einfacher Clansman trug lediglich die Clan-Pflanze \u2013 etwa einen Heidekrautzweig oder eine Distel \u2013 hinter der metallenen Wappenbrosche. Ein <i data-path-to-node=\"5\" data-index-in-node=\"340\">Chieftain<\/i>, der als Unterf\u00fchrer \u00fcber einen bestimmten Zweig der Familie herrschte, durfte sich mit genau zwei stolzen Federn schm\u00fccken. Das absolute Vorrecht, drei markante Federn des Steinadlers an der M\u00fctze zu tragen, geb\u00fchrte ausschlie\u00dflich dem offiziell anerkannten Oberhaupt des gesamten Geschlechts, dem <i data-path-to-node=\"5\" data-index-in-node=\"649\">Clan Chief<\/i>. Wenn zwei Chiefs in den Highlands aufeinandertrafen, kontrollierten die Leibw\u00e4chter als Erstes den Federschmuck des Gegen\u00fcbers, um die korrekte Rangordnung zu wahren; wer sich unberechtigt mit drei Federn erwischen lie\u00df, provozierte auf der Stelle ein t\u00f6dliches Pistolenduell wegen Majest\u00e4tsbeleidigung.<\/p>\n<h3 data-path-to-node=\"6\"><\/h3>\n<\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><div class=\"w-tabs-section\" id=\"iaa4\"><button type=\"button\" class=\"w-tabs-section-header\" aria-controls=\"content-iaa4\" aria-expanded=\"false\"><div class=\"w-tabs-section-title\">Der Kilt auf der schwarzen Liste<\/div><div class=\"w-tabs-section-control\"><\/div><\/button><div  class=\"w-tabs-section-content\" id=\"content-iaa4\"><div class=\"w-tabs-section-content-h i-cf\"><div class=\"wpb_text_column\"><div class=\"wpb_wrapper\"><p data-path-to-node=\"7\">Nach der vernichtenden Niederlage der jakobitischen Clans in der Schlacht von Culloden 1746 beschloss die britische Krone, die milit\u00e4rische Kultur der Highlander ein f\u00fcr alle Mal mit Stumpf und Stiel auszurotten. Mit dem drakonischen <i data-path-to-node=\"7\" data-index-in-node=\"234\">Act of Proscription<\/i> verbot London 1747 bei schwerer Strafe das Tragen von Kilts, Plaid-T\u00fcchern und jeglicher Tartan-Musterung im gesamten Hochland. Wer in seiner traditionellen Tracht erwischt wurde, wanderte beim ersten Vergehen f\u00fcr sechs Monate hinter Gitter und wurde beim zweiten Mal kurzerhand f\u00fcr sieben Jahre als Zwangsarbeiter in die tropischen Kolonien nach \u00dcbersee verbannt. Die Highlander lie\u00dfen sich ihre Identit\u00e4t jedoch nicht kampflos nehmen: Um das Gesetz zu umgehen, n\u00e4hten viele M\u00e4nner ihre Kilts kurzerhand in der Mitte notd\u00fcrftig zusammen, damit sie vor den englischen Patrouillen formal als Hosen durchgingen, oder trugen den verbotenen Clan-Tartan heimlich als Unterfutter im Inneren ihrer schlichten Wolljacken.<\/p>\n<h3 data-path-to-node=\"8\"><\/h3>\n<\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><div class=\"w-tabs-section\" id=\"kb44\"><button type=\"button\" class=\"w-tabs-section-header\" aria-controls=\"content-kb44\" aria-expanded=\"false\"><div class=\"w-tabs-section-title\">Der Clan-Chef auf Rezept<\/div><div class=\"w-tabs-section-control\"><\/div><\/button><div  class=\"w-tabs-section-content\" id=\"content-kb44\"><div class=\"w-tabs-section-content-h i-cf\"><div class=\"wpb_text_column\"><div class=\"wpb_wrapper\"><p>Die Macht eines schottischen Chiefs basierte nicht auf anonymen Landkarten, sondern auf dem tiefen Glauben an gemeinsame Ahnen und das System der <i data-path-to-node=\"9\" data-index-in-node=\"146\">Fosterage<\/i>. Um ewige Allianzen zwischen verfeindeten Sippen zu schmieden, gaben Clan-Chefs ihre erstgeborenen S\u00f6hne kurz nach der Geburt an befreundete Familienclans ab, bei denen die F\u00fcrstenkinder jahrelang wie eigene S\u00f6hne aufwuchsen. Die Loyalit\u00e4t zwischen diesen Ziehbr\u00fcdern war oft um ein Vielfaches st\u00e4rker als echte Blutsbande; in Schlachten bildeten die Ziehbr\u00fcder die unersch\u00fctterliche Leibgarde des jungen Chiefs und warfen sich ohne Z\u00f6gern in die feindlichen Piken. Wenn der Herrscher schlie\u00dflich alt und gebrechlich wurde, w\u00e4hlte der Clan nicht automatisch den \u00e4ltesten Sohn zum Nachfolger, sondern den f\u00e4higsten Krieger aus der Familie, den <i data-path-to-node=\"9\" data-index-in-node=\"799\">Tanist<\/i>. Ein schwacher, kr\u00e4nklicher oder feiger Thronerbe wurde von der Versammlung der Sippen\u00e4ltesten unbarmherzig \u00fcbergangen \u2013 denn in den sturmumtosten Highlands brauchte ein Clan kein zartes Gem\u00fct, sondern ein Oberhaupt mit stahlharten Nerven und scharfer Klinge.<\/p>\n<\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><\/section>",
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